Wie man mit Trennung umgeht

Lass mich diesen Artikel mit einer etwas unangenehmen Wahrheit beginnen. Falls Du gerade Single bist, sind 100% Deiner Beziehungen zu Ende gegangen. Jede Frau, mit der Du zusammen warst – ob nur eine oder hundert – hat sich irgendwann von Dir getrennt, oder Du Dich von ihr. Das ist logisch, sagst Du vielleicht. Dann frage ich mich, wieso wir immer wieder überrascht sind, wenn wir dann vor den Scherben der letzten Wochen, Monate oder Jahre stehen.

Ich möchte Dir hier keine Methode zeigen, wie Du eine Beziehung halten kannst oder die Dinge so biegen kannst, dass Deine Ex Dich wieder will. Das ist alles möglich und manchmal sogar sinnvoll. Meistens ist jedoch nur der klägliche Versuch, eine sterbende Verbindung am Leben zu halten – ich nenne sowas Dialyse-Beziehungen.

Nein. Mir geht es darum, Dich aufzuwecken und Dir zu helfen, mit der Wahrheit klar zu kommen. Was sollst Du also tun? Ab jetzt keine Frauen mehr kennenlernen und auf irgendeinem Berg ein Eremitendasein fristen? Oder etwa keine emotionalen Verbindungen mehr eingehen und niemanden an Dich heran lassen? Das wäre wohl, als würde man den Geschmack aus gutem Essen heraus nehmen.

Wie so oft ist die Lösung nicht ganz so simpel. Bevor ich Dir jetzt aber pauschale Tipps gebe, möchte ich zuerst, dass Du etwas verstehst. Ein naiver Mensch legt sein Glück in die Zukunft. Das liegt in unserer Natur. Wenn uns eine Prüfung bevorsteht, kann der Moment oft noch so unbeschwert sein. Wenn uns in naher Zukunft eine Operation erwartet, ist es recht gleich, ob wir uns gerade bester Gesundheit erfreuen. Dieses Denken beeinflusst auch unsere Beziehungen. Wir definieren sie oft dadurch, wie lange sie gehalten haben und nicht, wie schön die Zeit an sich war. Oft höre ich Leute sagen, dass eine Beziehung nicht ernst war, da sie ja vorbei ging. Es bricht mir immer ein wenig das Herz, wenn ich jemanden so über eine vergangene Beziehung reden höre. Man hat sich doch irgendwann mal für diesen Menschen entschieden und ihn lieben gelernt. War das nur, um ihn einmal zu vergessen? Um schöne Lebenszeit mit jemandem, der einen einst zurückgeliebt hat, zu verleugnen und als ungültig zu erklären?

Für jemanden, der so denkt, sind Trennungen besonders schwer. Eine Welt bricht zusammen. Das liegt daran, dass wir diese Welt von Anfang an komplett falsch erschaffen haben. Wir gehen Beziehungen quasi mit Fremden ein. Wir handeln aus einem Mangel heraus und füllen die Lücken mit romantischen Illusionen. Zwei Menschen mit Angst vor dem Alleinsein gehen oft eine Zweckgemeinschaft ein und sind dann einfach froh, überhaupt jemanden zu haben. Da ist es meist gleich, ob man den Menschen wirklich kennt oder nicht. Wir wissen zudem, dass wir uns doch selbst von einer besseren, aufgeblasenen Seite präsentiert haben, die unserem eigentlichen Bild kaum entspricht. Wieso sollte unser Gegenüber das dann anders handhaben. Uns wird von Kindheit an beigebracht, dass wir, so wie wir wirklich sind, auf keinen Fall gut genug sind. Egal, was wir erreicht haben. Deswegen verstellen wir uns. Und darin liegt der erste Teil des Problems. Es geht um die Angst vor Zurückweisung. Diese lässt uns eine glänzendere, schönere Version unserer Selbst nach außen präsentieren. Bevor wir unsere zukünftige Partnerin überhaupt angesprochen haben, sind wir so bereits große Kompromisse eingegangen. Wenn wir von Anfang an wirklich ehrlich sind, können wir viele potentielle Partnerinnen verlieren, die nicht auf uns reagieren würden. Deswegen verstellen uns lieber. Wir passen uns anderen an. Und damit nehmen wir uns eines der mächtigsten Werkzeuge bei der Suche nach der richtigen Partnerin. Wenn Du direkt und ehrlich bist, werden sich die falschen Menschen automatisch für Dich aussortieren. Jene, die Dich ohne eine Fassade mögen würden, wirst Du jedoch wie ein Magnet anziehen. Klingt eigentlich ganz einfach, oder? Das ist es auch. Die Herausforderung besteht darin, die festgefahrenen Denkmodelle einzureißen und sich zu trauen, sein Denken zu ändern.

Ich möchte noch kurz erwähnen, dass ich hier von der Findung einer Partnerin oder Freundin für eine längere Verbindung spreche. Wenn Du einfach nur eine lockere Affäre oder einen one night stand suchst, kann es eventuell recht egal sein, ob ihr euch wirklich kennen lernt oder nicht.

Jetzt kennst Du ein wichtiges Denkmodell, um die Momente in einer Beziehung mehr zu genießen und vergangene Momente ohne Reue zu behalten. Es schützt leider nicht davor, dass sie irgendwann doch zu Ende gehen kann und wahrscheinlich auch wird. Womit wir bei dem zweiten Punkt wären. Trauer.

Ich gehe mal davon aus, dass beinahe jeder diese Situation kennt. Die Beziehung ist vorbei. Der Moment ist erreicht, wo unmissverständlich klar ist, dass man nicht mehr zusammen ist. Das Gefühl des Verlustes lähmt einen und es entsteht eine Leere. Der Mensch, mit dem man so viel seiner freien Zeit verbracht hat, ist nicht mehr da. Man weiß vielleicht gar nicht mehr was man mit seiner Zeit anfangen soll. Die Hand greift automatisch zum Handy, um ihr zu schreiben, wie bei jemandem, der mit dem Rauchen aufzuhören versucht und unbewusst nach der Schachtel Kippen greift. Es fühlt sich an wie Entzug. Und es ist definitiv auch miteinander vergleichbar. Ich werde Dir jetzt nicht erzählen, dass es eine Möglichkeit gibt, diese Trauer zu vermeiden. Es würde Dir nichts bringen, wenn ich Dir schöne Märchen erzähle. Wenn wir jedoch – wie zu Beginn erwähnt – mit hoher Wahrscheinlichkeit wissen, dass eine Frau, die wir gerade kennenlernen, einmal aus unserem Leben gehen wird, können wir etwas tun. Wir können die Tatsachen akzeptieren und von Anfang an miteinplanen. Genau so, wie wir nicht ändern können, dass es auch mal regnet, können wir auch Trauer nicht verhindern. Und hier das Geheimnis. Das ist auch gut so.

Meiner Erfahrung nach definieren die meisten Leute Glück durch Fröhlichkeit. Was bedeutet, dass wer trauert, gleich unglücklich ist. Ich sehe das anders. Denn Gefühle gehören zum Leben dazu und zwar in ihrer ganzen Vielfalt. Ich definiere vielmehr emotionalen Reichtum mit Glück und Gefühlsarmut damit, unglücklich zu sein. Wer das verstanden hat, kann auch in tiefer Trauer mehr Dankbarkeit empfinden. Er wird den Fokus darauf lenken, geliebt haben zu dürfen, statt verbittert zu sein, weil er es nicht mehr darf.

Dieses Denken hat mich in Bezug auf Trauer weit gebracht. Ich bin heute froh für jede Frau, die ich jemals lieben durfte und dankbar für die Zeit mit ihr. Ganz gleich, ob noch Kontakt besteht oder nicht. Wenn ich eine neue Frau kennen lerne, rechne ich von Beginn an mit ein, dass diese Verbindung auch mal weh tun wird. Macht mich das zum Pessimisten? Keinesfalls! Eher zum optimistischen Realisten. Es ist eine Tatsache, die ich nicht ändern kann. Ich weiß, dass es einfach dazu gehört. Denn wie Jon Kabat-Zinn so schön auf den Punkt brachte: Im Leben kommt es nicht darauf an, die Wellen zu stoppen, sondern Surfen zu lernen.

 

Alles Liebe
Elwin